Alpabtrieb und Viehscheid
Viehscheid im Allgäu
Der Viehscheid ist im Allgäu ein fest verankertes Brauchtum und eine Tradition, die schon seit Jahrhunderten Bestand hat. Den Zahlen des Alpwirtschaftlichen Vereines zufolge übersommern rund 27000 Stück Jungvieh und etwa 3000 Milchkühe auf den hoch gelegenen Wiesen.
Jedes Jahr im September findet in 30 Orten in festgelegter Reihenfolge der Almabtrieb statt, nach etwa zwei Wochen ist der Almabtrieb beendet. Dieses Spektakel verfolgen jedes Jahr tausende Besucher; angefangen vom Landwirt, der sein Vieh nach dem auf der Alp verbrachten Sommer wieder in Empfang nimmt, bis hin zu den Feriengästen, die den Viehscheid zusammen mit den Bauern als goßes Volksfest feiern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die festlich geschmückten und herausgeputzten Kühe eines der beliebtesten Fotomotive der Gäste sind.
Alpauftrieb
Sobald in den Allgäuer Alpen der Schnee nahezu vollständig geschmolzen ist, also etwa Mitte Juni, wird das Vieh auf die Bergweiden, auch Alpen oder Almen genannt, hinaufgetrieben. Dort werden die Jungrinder und teilweise auch Milchkühe verschiedener Bauern in einer einzigen großen Herde von mehreren Hirten betreut. Sie sind während der drei Monate des Bergsommers dafür zuständig, für das Vieh zu sorgen, es zu pflegen und es schließlich im Herbst wieder gesund und kräftig an ihre Besitzer zurückzugeben.
Der Almauftrieb bietet für Mensch und Tier zahlreiche Vorteile: die Weideflächen im Tal allein sind zu klein für den Viehbestand, darüber hinaus sollte auch die Heuernte wegen der langen Wintermonate nicht zu knapp ausfallen. Weiterhin macht die Tiere so ein Sommeraufenthalt im Gebirge widerstandsfähig. Das Gras und die Bergkräuter sind hervorragend für ihre Gesundheit. So wird die wunderschöne jahrhundertealte Allgäuer Kulturlandschaft auch gleichzeitig gehegt und erhalten.

Alpabtrieb und Viehscheid
Etwa Mitte September beginnt langsam der Herbst in den Alpen. Dann wird es auch für die Hirten und das Vieh Zeit ins sichere Winterquartier zurückzukehren. Sofern die gesamte Herde die vergangenen Monate im Hochgebirge ohne Unfälle oder Krankheiten überstanden hat, werden die Tiere schon im Morgengrauen fleißig gebürstet und geschmückt. Die Leitkuh bekommt daraufhin einen kunstvoll und aufwendig in Handarbeit gefertigten Kopfschmuck aus Bergblumen, Zweigen, Bändern und Tannengrün aufgesetzt - sie wird die Herde als »Kranzrind« anführen. Darüber hinaus bekommen alle Jungtiere, im Allgäu »Schumpen« genannt, schwere Festtagsschellen um den Hals, welche Dämonen vertreiben sollen. Natürlich tragen auch die Hirten ihr bestes Festtagsgewand, nämlich die traditionelle Lederhose und den bestickten Edelweißhosenträgern.
Nachdem die Herde zusammen mit den Hirten im Tal eingetroffen ist, beginnt der eigentliche »Viehscheid«. Wie schon das Wort sagt, wird das Vieh »geschieden«, das heißt die einzelnen Tiere werden aus der Herde herausgeholt und ihrem jeweiligen Besitzer übergeben. Dies geschieht auf dem sogenannten Scheidplatz, der häufig außerhalb des Ortes liegt.
Abgerundet wird das außergewöhnliche Ereignis in den meisten Orten mit einem Fest. Natürlich darf eine Blasmusikkapelle nicht fehlen und für das leibliche Wohl ist mit Allgäuer Spezialitäten und Bier ausreichend gesorgt. Für die Hirten, die entbehrungsreiche Monate hinter sich haben, ist dies zweifellos etwas Besonderes.
Alle Interessierten, die einen Viehscheid einmal miterleben möchten, sind herzlich eingeladen und jederzeit willkommen. Allerdings sollte man bereits am frühen Morgen vor Ort sein, da die Herden mit ihren Hirten meistens schon recht zeitig am Vormittag im Tal ankommen.
Im Folgenden können Sie in der Tabelle ablesen, wann in den jeweiligen Orten der Viehscheid stattfindet. Jedoch kommt es vor, dass manche Orte sich auch kurzfristig nach dem Wetter richten. Für weitere Informationen diesbezüglich kontaktieren Sie gegebenenfalls die lokalen Tourismusbüros.






